Zusammen.leben.lernen – aber wie?

Ein gutes Zusammenleben braucht Ernst und Humor.

vom

Impressionen des Dialogs für Eine Welt 2017

„Wie geht denn das, ein Schritt aus der Komfortzone?“, fragt die Clownin Quendolina. „Ein ganz großer Schritt – etwa so?“ Quendolina hebt ihren Fuß weit hoch, ihr Punktkleid spannt sich und man merkt – der Schritt aus der Komfortzone ist ganz schön anstrengend. Die Clownin mit roter Nase und Hut macht die Podiumsdiskussion der Veranstaltung „Dialog für Eine Welt“ zu einer außergewöhnlichen.

Wo sonst wird über ernste Themen diskutiert und gleichzeitig viel gelacht? Quendolina veranschaulicht somit, worüber sich die meisten der über 70 Teilnehmenden der Veranstaltung „Dialog für Eine Welt“ einig sind: ein gutes Zusammenleben braucht Ernst und Humor gleichermaßen. Und vor allem braucht es den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen, Religionen und Herkunftsländer. Genau deswegen findet am 25. März bereits zum vierten Mal der „Dialog für Eine Welt“ im Don Bosco Haus in Wien statt. Einen Samstagnachmittag und -abend denken die Teilnehmenden nach, wie ein gutes Zusammenleben gestaltet werden kann. Hauptorganisator ist das Referat Weltkirche. Mit dabei waren Volontariat bewegt, VIDES und die Partnerorganisation Jugend Eine Welt.  

Von Radikalisierung wird viel gesprochen – von Deradikalisierung nicht
Schwierig wird das Zusammenleben, wenn sich Menschen radikalisieren und bewusst an einer geteilten Gesellschaft arbeiten. „Deradikalisierung ist ein langer und mühevoller Weg“, erklärt Natascha Strobl, die sich mit der rechtsradikalen Szene in Österreich beschäftigt. „In Österreich gibt es keine Ressourcen dafür, Menschen, die tief im Rechtsradikalismus verankert sind, heraus zu helfen.“

Gemeinsam mit Ramazan Demir leitet Strobl einen Workshop zum Thema Radikalisierung. Demir ist Gefängnisseelsorger für radikalisierte muslimische Jugendliche und in der muslimischen Glaubensgemeinschaft aktiv. Auch Wolfgang Bartsch vom Religionsforum Ottakring engagiert sich für ein gutes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass sich Anhänger/innen zum Beispiel des Islams und des Christentums durchaus gut verstehen können: „Es braucht eben viele kleine Schritte“.

Wer soll sich wo integrieren?
Martina Fürpass, die Geschäftsführerin vom Interkulturellen Zentrum, gestaltet einen weiteren Workshop. Sie ist begeistert von dem Vorwissen der Teilnehmenden des „Dialogs für Eine Welt“. Gleichzeitig betont sie, dass wir uns immer fragen müssen, wenn wir über Integration reden: „In was sollen sich z.B. Geflüchtete integrieren? Gibt es so etwas wie die österreichische Kultur überhaupt?“ Fürpass macht den Teilnehmenden klar, dass Integration nicht das Ablegen der eigenen Kultur und Identität bedeuten kann und soll. Das sehen auch die Freiwilligen Florian Toth und Sarah Kusché so beim Workshop „Ich bin ich – und immer wieder anders“. Die Teilnehmenden beschäftigten sich vor allem mit der Frage der eigenen Identität und was diese ausmacht.

Islamische Musik, Jodeln und Blues
Nachdem die Clownin Quendolina allen nach der spannenden Diskussion den Schweiß von der Stirn gewischt hat, verschwindet sie aus dem Don Bosco Saal. Und weil Dialog nicht nur miteinander diskutieren sondern auch gemeinsam feiern heißt, geht es weiter mit einer Meditation. Nach köstlichem Fingerfood beginnt eine musikalische Reise. Schnell füllt sich die Tanzfläche. Am Ende der Veranstaltung sagt der ehemalige Volontär Martin: „Es hat mir echt getaugt. Nächstes Jahr bin ich wieder mit dabei!“

(Sophia Stanger/red)

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