Seid dort, wo sich die Jugend trifft

Jugendpastoral-Beauftragter Pater Rudi Osanger im : "Kirche muss Jugendlichen mehr nachgehen"

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Pater Rudi Osanger SDB zur Jugendsynode der Bischöfe.

Die katholische Kirche darf sich nicht vor der Begegnung und harten Auseinandersetzungen mit Jugendlichen scheuen: Das hat Pater Rudolf Osanger, langjähriger Provinzial der Salesianer Don Boscos in Österreich und nunmehriger Beauftragter des Ordens für Jugendpastoral, im Interview mit "Kathpress" dargelegt. Kirche sollte "einladend sein und den Jugendlichen nachgehen", da Jugendliche durchaus nach Wegen suchen, wie sie ihren Glauben leben könnten, so der 65-jährige Jugendseelsorger, der sich auch als Liedermacher einen Namen gemacht hat.

Jugendliche "glauben an eine höhere Macht, und viele von ihnen beten auch", verwies Osanger auf Ergebnisse der jüngsten europäischen Wertestudie. Darin habe sich die Mehrzahl der Jugendlichen selbst als "gläubig" bezeichnet. Dennoch sei es in der Altersgruppe bloß eine Minderheit, die sich sozial engagiere, auf der Suche nach tiefer Spiritualität sei oder im Glauben Erfüllung finde. "Viele lehnen ab, was die Kirche sagt", so der Geistliche, dessen vom Jugendpatron Johannes "Don" Bosco gegründete Ordensgemeinschaft sich in seinen Angeboten vor allem an Jugendliche wendet.

Bild von Kirche verändern
Als besonderes Problem für Europas Jugend sehe er das "unglaubliche Überangebot" an Informationen wie auch an Konsumgütern und Freizeitangeboten, sagte der Salesianerpriester. Folgen seien "Stress und Orientierungslosigkeit" sowie auch Schwierigkeiten damit, Entscheidungen zu treffen. "Das betrifft auch den Glauben", so Osanger. Den Jugendlichen sei nicht dabei geholfen, wenn die Kirche Forderungen an sie stelle. Weit besser könnten sie aber umgehen "mit einem überzeugenden Sinnangebot, mit glaubwürdigen Vorbildern oder Menschen, die sie zum Mitleben einladen".

Das von Regeln und Geboten bestimmte Bild einer "verzopften, weltfremden und alten Kirche", mit dem Jugendliche aufwachsen, sei ein großes Hindernis, erklärte Osanger. "Es verhindert, dass Jugendliche überhaupt Fragen stellen oder sich Antworten erwarten." Als eine der wichtigsten Herausforderungen sehe er, dieses Bild in der Öffentlichkeit zu verändern. "Extrem-traditionalistische Angebote" sehe er dabei eher als kontraproduktiv.

Charisma bietet Identität
In der Jugendpastoral tätige Orden hätten ganz spezielle Chancen auf Zugang zu jungen Leuten, befand Osanger. Anders als etwa diözesane Angebote, könnten die Gemeinschaften vor allem das "Charisma und die Spiritualität" ihrer Gründerpersönlichkeiten anbieten. Durchaus würden viele Jugendliche darin ihre Identität, ihren Weg und ihre kirchliche Gemeinschaft finden, so die Erfahrung des Salesianerpriesters. Weiters gelinge es immer wieder Klöstern und Ordensniederlassungen, für Jugendliche auf offene, einladende Weise "Orte des Gespräches und des Gebetes" zu sein - beispielsweise bei Jugendvespern oder Jugendvigilien.

Wichtig sei bei all diesen Zugängen die sichtbare Präsenz von Ordensmitgliedern, die überzeugend ihr Leben gestalten und dazu ein "glaubwürdiges Gemeinschaftsleben" führen. Sie könnten den Jugendlichen "geistliche Inputs" in einer für sie verständlichen Sprache geben, ihnen bei der Klärung ihrer Lebensberufung helfen und auch Möglichkeiten für soziale Einsätze wie etwa Volontariate bieten. "Wichtig ist, dass sie sich darüber im Klaren sind, dass es dabei nicht um den Orden geht, sondern um die jungen Menschen und ihren Glaubensweg", betonte der Ordensmann.

Einfach bei der Jugend sein
Die Jugendpastoral des eigenen Ordens - der Salesianer Don Boscos - sei davon bestimmt, dass sie grundsätzlich alle Jugendliche als ihre Zielgruppe sehe, erklärte Osanger. "Sie brauchen dazu keine Vorleistung erbringen. Auch unser Gründer, der heilige Don Bosco, hat stets gesagt: Es genügt, dass ihr jung seid." In diesem Sinne versuche auch die Salesianische Jugendbewegung, "bewusst das Evangelium im Geist Don Boscos zu leben", ähnlich wie auch die Jugendzentren und Pfarren des Ordens sowie sein Angebot zum Auslandsvolontariat, bei dem sich Jugendliche für andere einsetzen.

Bei den Aktivitäten der salesianischen Seelsorge gehe es vor allem darum, "bei den Jugendlichen zu sein, sie zum Mitgehen einzuladen, aber nicht darum, sie zu missionieren", zitierte der Priester eine Studentin und Freiwilligenhelferin.

Zuhören statt unnötige Diskussionen
Die "Evangelisierung durch Wort und Beispiel" werde für die Kirche in Zukunft immer wichtiger werden, so Osangers Prognose. Dieser Punkt werde auch bei der vatikanischen Jugendsynode im Herbst 2018 eine große Rolle spielen, wo man vor allem nach Wegen der Verkündigung bei jungen Leuten suchen werde. Auf Weltebene sei der Salesianerorden in die Vorbereitungen des großen Bischofstreffens - es läuft unter dem Titel "Die Jugend, der Glaube und die Unterscheidung der Berufung" - bereits eingebunden.

Würde Don Bosco selbst an der Synode teilnehmen, wäre sein Statement eine Mahnung, spekulierte Osanger. "Er würde sagen: Viele Fragen, die in kirchlichen Kreisen diskutiert werden, interessieren Jugendliche nicht. Stellt die Jugendlichen in die Mitte, hört ihnen zu, seid dort, wo sich die Jugend trifft. Findet Wege ihnen zu helfen, eine Beziehung zu Gott aufzubauen oder sie zu vertiefen."

Zum Themenpaket Jugendsynode 2018

(KAP) 

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