Eine "mutige Frau"

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Don Bosco Schwester Carolin Tahhan Fachakh vom US-Außenministerium für ihren Einsatz in Syrien ausgezeichnet.

Eine „mutige Frau”: das ist die Don Bosco Schwester Carolin Tahhan Fachakh. Sie ist verantwortlich für die weibliche Salesianergemeinschaft in Damaskus. Als eine von 13 „Mutigen Frauen des Jahres 2017“ ist sie im vergangenen März durch das US-amerikanische Außenministerium ausgezeichnet worden, für ihren Einsatz an der Seite der vom Krieg getroffenen Menschen, insbesondere Frauen und Kinder.

In Damaskus leitet sie einen Kindergarten, den etwa 200 christliche und muslimische Kinder besuchen. Sie war kürzlich bei uns im Radio zu Gast: auf Einladung des neuen Vereins der „Frauen im Vatikan“ erzählte sie von ihrem Einsatz im Bürgerkriegsland Syrien:
„Wir versuchen, den Kindern bei uns im Kindergarten eine Atmosphäre des Friedens zu bieten. Alle Kindern gefällt es, zu spielen, zu springen, zu singen, nicht wahr? Wir bieten dieses Klima auch für die vielen Kinder, die im Krieg gelitten haben; es gibt einige, die nicht sprechen, die die Gewalt in sich drin tragen… Wir stellen diesen Kindern Kinder zur Seite, die solch schwierige Situationen nicht erlebt haben. Zweimal die Woche haben wir Musiktherapie: wir nutzen Instrumente und singen.“

Vor dem Krieg sei die Schule vor allem von christlichen Kindern besucht worden, doch der Exodus der Christen aus Syrien habe seine Spuren hinterlassen, berichtet die Schwester. Nur noch 24 der Kinder seien Christen, der Rest muslimischen Glaubens.

Doch nicht nur die Kinder, auch die Frauen liegen Schwester Carolin am Herzen. Gemeinsam mit dem UNO-Flüchtlingswerk trägt sie ein Projekt voran, das es Frauen ermöglichen soll, sich eine eigene Existenzgrundlage aufzubauen. Viele der Frauen sind Binnenflüchtlinge aus anderen Landesteilen, sie können an einem Nähkurs teilnehmen, an dessen Ende sie eine Nähmaschine geschenkt bekommen und so ihren Lebensunterhalt sichern können.

„Zuerst haben wir mit Frauen aus dem Irak gearbeitet, aber als der Krieg angefangen hat, haben wir auch mit den syrischen Frauen angefangen. Am Ende des Kurses erhalten sie ein Zeugnis, mit dem sie arbeiten können. Einmal ist eine Frau in Tränen ausgebrochen. Ich habe sie gefragt, warum sie denn weine, und sie hat geantwortet: ,Es ist das erste Mal, dass ich ein Diplom erhalte.´“ Es sei ihr ein Anliegen, so Schwester Carolin, den Frauen dabei zu helfen, sich nicht hängen zu lassen und in die Zukunft zu blicken, jenseits von Krieg und Tod. „Wir geben ihnen einen Schubs in Richtung Zukunft und sagen ihnen: Die Zukunft wird kommen, der Frieden wird kommen. Wir geben einen Schubs ins Leben.“

Die etwa 20 Don Bosco Schwestern in Damaskus betreiben auch ein Krankenhaus in Damaskus, das sie unter großen Opfern am Laufen halten. Es mangelt an Arzneimitteln, viele Ärzte haben das Land schon lange verlassen, und wenn ein Apparat kaputt geht – ja, dann gibt es keine Ersatzteile. Doch eine andere, vielleicht die wichtigste Aufgabe liege noch vor ihnen, so Schwester Carolin: „Den Menschen von innen her aufzubauen. Denn die Welt ist bereits voll von Angst, Gewalt, Menschen voller Hass. Nach dem Krieg werden wir damit beginnen, ihnen die Vergebung und den Dialog beizubringen. So viele Dinge, die man im Inneren aufbauen muss, angefangen bei der Vergebung.”

Am 29. März war es, dass Schwester Carolin in Washington die Auszeichnung als „mutige Frau 2017“ entgegen genommen hat. Die anderen zwölf Preisträgerinnen hat sie als „Brücken der Menschlichkeit“ empfunden. Die Auszeichnung selbst widmet sie ihren Mitschwestern in der Mission: „Trotz des Krieges und obwohl ihre zuständigen Botschaften ihnen gesagt haben, verlasst Syrien und kommt heim´, haben sie beschlossen, in Syrien zu bleiben und mit viel Freude und Nächstenliebe weiter zu wirken und somit den Menschen Hoffnung zu schenken.“

(Radio Vatikan 14.04.2017 cs)

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