Die Übung vom guten Tod

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Wie Don Bosco Jugendliche und Salesianer auf einen guten Tod vorbereitete.

Der heilige Johannes Bosco (1815-1888) war der größte katholische Jugenderzieher im 19. Jahrhundert. Er schuf in Turin für heimat- und arbeitslose Jugendliche ein Zentrum, in dem bis zu 600 Buben Aufnahme und Förderung erfuhren. Ihnen nur ein Dach über dem Kopf und ein warmes Essen anzubieten, war ihm zu wenig. Er entwickelte eine moderne Form der Jugendpastoral, um die Jungen zu „verantwortungsvollen Bürgern und guten Christen“ heranzubilden. Der von ihm gegründete Orden der Salesianer Don Boscos ist heute in 132 Ländern der Erde fast ausschließlich in der Jugendarbeit tätig.

Es war ein besonderes Anliegen Don Boscos, Jugendliche wie Mitbrüder auf „einen guten Tod“ vorzubereiten. Sein Beichtvater, der heilige Giuseppe Cafasso, hatte ihm dazu geraten. Damals starben in seinem Jugendzentrum im Stadtteil Valdocco hin und wieder junge Menschen, so dass die Buben unmittelbar mit dem Tod konfrontiert wurden. Der Jugendapostel mahnt oft seine Buben: „Das ganze Leben sei eine Vorbereitung auf den letzten Tag in dieser Welt.“

Was ist die Übung vom guten Tod?
Worin bestand nun diese Gebetsform der „Übung vom guten Tod“? Don Bosco hat sie auf den letzten Tag jeden Monats festgelegt und dieser Tag sollte kein trauriger Tag sein. Er ließ besseres Essen als sonst auftischen und verteilte die Frühstücksemmeln mit Salami selber an die Buben. In der ersten Ordensregel der Salesianer lesen wir: „Jeder lasse, soweit möglich, alle Arbeiten ruhen und halte sich diesen Tag zur Besinnung frei.“

Der Tag war von einer weihevollen Stimmung geprägt und wurde als Besinnungstag gehalten.

Ein Vortrag über die letzten Dinge leitete am Nachmittag die gemeinsame Gebetszeit ein. „Man denke wenigstens eine halbe Stunde über den vergangenen Monat nach, über Fortschritte und Rückschritte im geistlichen Leben“, so Don Bosco. Dabei gab er vier Punkte zu bedenken: Erstens: wenn ich morgen sterben würde, was würde ich dann in meinem Leben noch in Ordnung bringen?

Zweitens: Was habe ich in diesem Monat am meisten vernachlässigt?

Drittens: Wo habe ich im vergangenen Monat Fortschritte gemacht? Viertens: Wenn ich jetzt sterben würde, was bereute ich am meisten?

An diese Gewissenserforschung schloss sich der Empfang des Beichtsakramentes. Danach konnte jeder Jugendliche und Mitbruder für den kommenden Monat einen Heiligen als Patron wählen.

Den Abschluss bildete eine Andacht mit einem Gebet zum hl. Josef für eine gute Sterbestunde und mit einer Litanei, die an die einzelnen Phasen des Sterbens erinnerte. Auf jede dieser Anrufungen antwortete man mit: „Gütiger Jesu, dann erbarme dich meiner!“ Den Abschluss bildete der eucharistische Segen.

Don Bosco war überzeugt, dass jeder Jugendliche und Erwachsene auf diese Weise sein Leben ordnen und in den Dienst Gottes stellen könne. An Tommaso Pentore, einen jungen Salesianer, schrieb er 1878: „Unterlasse nie die monatliche Übung vom guten Tod und prüfe, was du hinzufügen, korrigieren oder unterlassen sollst, um ein guter Christ zu sein. Empfange die Beichte, als wäre sie die letzte in deinem Leben! Empfange die Kommunion, als wäre sie deine Wegzehrung!“

Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde diese „Übung vom guten Tod“ in allen Salesianerhäusern durch einen monatlichen Besinnungstag ersetzt, der nicht mehr unter dem Thema christlichen Sterbens stand.

Doch das Anliegen Don Boscos bleibt auch in unserer Zeit aktuell. Wir denken nicht gern an den Tod. Und doch gehört er wesentlich zu unserem Leben. Wissen wir doch, dass wir alle einmal sterben müssen. Der Tod stellt zwar das Leben nicht in Frage, aber er hinterfragt das Leben. Darum dürfen wir ihn nicht verdrängen! 

(Pater Josef Weber SDB, Benediktbeuern)

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