Salesianerkardinal Bo: Hoffnung auf Papstbesuch

Myanmars Kardinal sagt: "Das Schicksal der muslimischen Minderheit ist traurig. Auch Christen werden diskriminiert."

In Myanmar werden nicht allein Rohingya verfolgt und diskriminiert, sondern etwa auch die mehrheitlich christlichen Kachin. Von diesen lebten viele ebenfalls in Flüchtlingslagern. Darauf hat der Erzbischof von Yangon, Kardinal Charles Bo SDB, in einem Interview mit der italienischen katholischen Presseagentur SIR am Montag, dem 6. November 2017 hingewiesen.

Zugleich warb er um weitere Unterstützung für Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Ende November reist Papst Franziskus zu einem viertägigen Besuch nach Myanmar; er hatte sich bereits mehrfach zur Krise der Rohingya geäußert. Kardinal Bo hofft auf einen Friedensimpuls durch den Besuch des Papstes.

Deren Schicksal sei "sehr traurig und bewegend", sagte Kardinal Bo. Aber die Lage im Land sei schwierig; ein Großteil der Bevölkerung fürchte, dass gewalttätige Extremisten aus Syrien in Südasien eine Front eröffneten. Die Rohingya-Krise "ist ein sehr kompliziertes Thema und wird von Medien zusätzlich verkompliziert", so Bo. Das werde im Ausland nicht immer verstanden. Auch vielen Christen im Land, die aus Indien stammen, werde die Staatsangehörigkeit verweigert. Die tieferen Ursachen für die Spannungen und Ungerechtigkeiten im Land lägen aber in jahrzehntelanger Misswirtschaft.

"In den letzten 60 Jahren hat unsere Bevölkerung unter Klientelwirtschaft und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen gelitten", erklärte Bo. Mittlerweile lebten 80 Prozent der Menschen in Armut. Diese Ungerechtigkeiten trieben viele dazu, nach Lösungen zu suchen - "manchmal friedlich, manchmal durch bewaffnete Konflikte", sagte der Kardinal unter Anspielung auf die Gewalt im östlichen Rakhaing-Staat, der an Bangladesch grenzt und in dem viele Rohingya leben.

Regierungschefin und Außenministerin Aung San Suu Kyi verglich Kardinal Bo mit "einer Krankenpflegerin, die einem Patienten nach langer Krankheit wieder auf die Beine helfen muss". Zwar habe sie versprochen, dass sich alle, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben, der Justiz stellen müssten. Doch das sei eine sehr schwierige Aufgabe. Zudem sei Suu Kyi erst seit 18 Monaten im Amt. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstütze sie nach wie vor. Viele im Westen hätten ihr leider die Unterstützung wieder entzogen.

Natürlich hätte die Regierung die Krise um die Rohingya früher und besser handhaben können und müssen, räumte Bo ein. Aber sie habe nur begrenzten Einfluss auf das Militär. Gleichwohl müsse die Regierung einsehen, dass die Frage der Staatsangehörigkeit von neutraler Seite geklärt werden müsse. Umgekehrt müsse die internationale Gemeinschaft verstehen, dass Bevölkerung und Regierung gewaltsame Reaktionen befürchten, die aus dem Ausland gesteuert seien.

(KAP/ANS)

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