Es reicht für alle

Maria-Theres Welich aus dem Wiener Don Bosco Haus erinnert an das Maroniwunder vom 2. November 1849.

Das Maroniwunder vom 2. November 1849
Am Allerseelentag hatte Don Bosco seine Buben zum Friedhof geführt. Nach der Rückkehr, so hatte er ihnen versprochen, würden sie gekochte Kastanien bekommen. Drei Säcke hatt er dafür kaufen lassen. Mama Margherita aber hatte nicht richtig verstanden, was Don Bosco wollte, und kochte nur ein paar Kilo davon.
Giuseppe Buzzetti, der junge „Verwalter“, kam vor den anderen zurück und rief erschrocken aus: „Das wird Don Bosco aber sehr bedauern ich muss es ihm gleich sagen.“ Doch im Gewühl der zurückströmenden Schar gelang es ihm nicht, Don Bosco dies klarzumachen. Er nahm ihm den Korb aus den Händen und begann, mit einem Schöpflöffel auszuteilen. Buzzetti schrie: „Nicht soviel! Es reicht nicht für alle!“

„Aber es sind doch noch drei Säcke in der Küche!“ „Nein, es gibt nur diese!“ versuchte Buzetti zu erklären, während die Buben heranströmten. „Aber ich habe versprochen, dass sie alle davon bekommen. Jetzt teilen wir einmal aus, solange wir etwas haben.“

Don Bosco gab jedem einen großen Schöpflöffel davon. Buzzetti blickte nervös auf die wenigen Kastanien, die noch im Korb lagen. Und die Riehe, die wartete, schien immer länger zu werden. Jetzt bemerkten es andere auch. Plötzlich trat Schweigen ein. Hunderte von Bubenaugen starrten in den Korb, der nicht leer wurde. Die Kastanien reichten für alle. Die Spannung war gebrochen, als der letzte seine Handvoll Kastanien erhalten hatte, und man kann sich gut den Jubel und die Begeisterung vorstellen, die jetzt ausbrauchen.

Maria-Theres Welich ist Jugend- und Erwachsenenbildnerin im Wiener Don Bosco Haus

Warum passiert das Maroniwunder zu Allerseelen?
Warum findet es nicht an einem Freudentag statt – wie etwa das Vermehrungswunder Jesu bei der Hochzeit zu Kanaa, von dem wir gerade gehört haben…
Ist das Fest Allerseelen als Zeitpunkt ein Zufall?

Die Pädagogin in mir sagt ganz klar: das hat Don Bosco gut inszeniert. Er geht mit seinen Jugendlichen auf den Friedhof um der Toten zu gedenken. Jugendliche trauern, und brauchen einen Ort wo sie ihrer Trauer, ihrem Verlust Raum geben können. Nicht nur Jugendliche brauchen das, auch wir brauchen Räume und Gemeinschaft für unsere Trauer.
Don Bosco nimmt Jugendliche ganzheitlich wahr und schenkt Gemeinschaft. Er weiß darum: Verlust und Trauer gehören zum Leben. Und er zeigt am Allerseelentag vor 150 Jahren beispielhaft einen Weg auf. Es ist ein Weg, der die jungen Menschen damals zutiefst berührt und verwandelt hat und der die Kraft hat, auch uns heute an eine wichtige Dimension unseres Glaubens zu erinnern: Gott ist da und seine Gegenwart schenkt Verwandlung.

Wir Christen wissen darum, dass der Tod nicht das Ende bedeutet. Zugleich müssen wir immer wieder erfahren, welchen Einschnitt es bedeutet, wenn das irdische Leben uns wichtiger Menschen endet. Da gibt es kein davonlaufen – die Trauer ist ein Prozess, den wir uns stellen müssen.

Don Bosco geht mit den jungen Menschen auf den Friedhof. Da braucht es Mut, sich der Trauer zu stellen. Was die Jugendlichen bestärkt ist der Umstand, dass sie nicht alleine sind – Don Bosco geht mit ihnen. Er ist ein verlässlicher Begleiter und Freund.

Für den Anschluss verspricht Don Bosco den Jugendlichen Esskastanien und zwar reichlich.
Er zeigt damit auf und lässt die jungen Menschen erleben: christliches Leben bedeutet Übergänge leben. Die jungen Menschen müssen nicht in der Traurigkeit gefangen bleiben – vielmehr erfahren sie Gemeinschaft, die in allen Lebensphasen trägt. Und sie erleben ein Wunder – die Dimension Gott.

Die Theologin in mir entdeckt genau diese Dimension Gott: Nicht die Pädagogik steht im Mittelpunkt, sondern das Durchscheinen der tiefen Glaubenserfahrung: In das Dunkel unserer Ängste und der Traurigkeit, kommt Gott uns entgegen und schenkt uns ein Zeichen. Für die Jugendlichen war der Weg zum Friedhof sicher kein Spaziergang, sondern ein überaus herausforderndes Ereignis, das war auch Don Bosco bewusst. Aber die bleibende Erfahrung und Bestärkung war und ist: Gott geht mit, Gott wirkt und Gott hilft und schenkt ein Wunder. Es wird sichtbar: Liebe ist stärker als der Tod.- das ist die Botschaft von Allerseelen und deswegen kann dieses Wunder nur an diesem Tag gesehen sein. Am Tag wo sich Himmel und Erde öffnet und Menschen ganz durchlässig werden.

Ich lade ein, im eigenen Leben hinzufühlen auf Gottes Gegenwart, auf Gottes Hilfe, auf Gottes Wunder im großen und im kleinen…

Feiern wir Gottes Zuwendung ganz konkret in unserem Leben!

(maria-theres welich)

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