Die Geschichte von Salesianerpater Titus Zeman

Der Märtyrer aus der Slowakei wurde selig gesprochen.

Tausende Menschen haben am Samstag, dem 30. September 2017 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava die Seligsprechung des Salesianers Titus Zeman (1915-1969) gefeiert. Den Akt der Seligsprechung nahm SalesianerkKardinal Angelo Amato SDB vor, der Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen. Mit Amato konzelebrierten auch der Generalobere der Salesianer Don Boscos, Angel Fernandez Artime.

In seiner Predigt sagte Kardinal Amato, die "unglückliche kommunistische Diktatur" habe die Slowakei "in ein Gefangenenlager verwandelt". Dabei habe sich der "Hass vor allem gegen die Kirche gerichtet, die die lebendige Identität des slowakischen Volkes bewahrt und ihre Freiheit und Würde geschützt habe". Heute jedoch könne die Slowakei stolz sein "auf eine herrliche Krone von Heiligen und Märtyrern", so der Salesianer.

Fluchthelfer und Märtyrer
Der nunmehr seliggesprochene Titus Zeman sei verurteilt worden, weil er Klerikern und Priestern zur Flucht aus ihrer Heimat verholfen habe, "damit sie ihr apostolisches Ideal leben können". In einem "Todesturm" sei er gezwungen worden mit den Händen radioaktives Material anzufassen. Doch im Vertrauen auf die Muttergottes habe er ausgeharrt und "sein Leben für die Erlösung anderer aufgeopfert".

Ihn habe jene wahre Liebe angetrieben, "die imstande ist, den Verfolgern zu verzeihen", so Kardinal Amato, der selbst dem Orden der Salesianer Don Boscos angehört. Dessen Gründer habe geäußert, wenn ein Salesianer in der Arbeit für die Seelen versterbe, habe "die Kongregation einen großen Triumph errungen". Titus Zeman sei genau von dieser "pastoralen Liebe" der Salesianer erfüllt gewesen, die "junge Menschen vor dem Übel jeglicher abwegiger Ideologie bewahren möchte". In der Treue zu dieser Sendung und zu seinem Priestertum könne man ihn als "Märtyrer der Berufung bezeichnen".

2010 wurde für Titus Zeman der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Am 27. Februar 2017 bestätigte Papst Franziskus das Martyrium des Salesianers. Zu seinem Wallfahrtsort soll der Vorort Vajnory im Nordosten Bratislavas werden, wo Zeman geboren wurde und auch starb. Seine Gebeine wurden 2010 exhumiert und in die Krypta der dortigen Pfarrkirche übertragen.

Der letzte Zeuge

Anlässlich der Seligsprechung veröffentlichre die deutsche Provinz der Salesianer die Geschichte von Pater Medard Stepanovsky SDB, dem letzten Zeugen der Rettungsaktion von Pater Zeman . P. Stepanovsky war einer der ersten sechs Salesianer, denen Pater Titus Zeman im Sommer 1950 zur Flucht über Österreich nach Italien verhalf. Für seinen Mitbruder hatte der 90-jährige P. Stepanovsky im Seligsprechungsprozess als Zeuge ausgesagt. Und als letzter lebender Zeitzeuge wollte Stepanovsky zusammen mit zwei Mitbrüdern aus seiner oberschwäbischen Ordensniederlassung in Buxheim (Unterallgäu) Ende September bei den Feierlichkeiten in der Slowakei dabei sein. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Salesianer starb am 12. August an den Folgen eines schweren Schlaganfalls.
Seine bewegende Lebensgeschichte zum Nachlesen: HIER

Das Leben von Pater Zeman

ZUM VIDEO

Titus Zeman wurde im slowakischen Vajnory bei Bratislava geboren. Schon als Zehnjähriger äußerte er den Wunsch, Ordenspriester zu werden. Nach der Schulzeit und dem Noviziat unter anderem in Šaštin legte er seine erste Profess ab und studierte anschließend an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sowie später in Chieri nahe Turin. Am 23. Juni 1940 wurde er in der Turiner Maria-Hilf-Basilika zum Priester geweiht.

P. Zemans erster Einsatzort war das Oratorium der Salesianer in Bratislava. Er absolvierte ein weiteres Studium, Chemie und Biologie für das Lehramt, und unterrichtete am Bischöflichen Gymnasium in Tyrnau. 1946 wurde er aus dem Schuldienst entlassen, weil er sich der Anordnung der Kommunisten, alle Kreuze aus den Klassenzimmer zu entfernen, widersetzte. Danach wirkte er im Schülerheim von Tyrnau und als Kaplan in Ṥenkvice.

Als das kommunistische Regime der Tschechoslowakei im April 1950 religiöse Vereinigungen verbot und Ordensleute in Lager deportierte, entschloss sich P. Zeman, Mitbrüdern zur Flucht zu verhelfen. Im Sommer 1950 begleitete er zunächst eine Gruppe von sechs Salesianern und einem Diözesanpriester über Österreich nach Italien. Mit Zustimmung der Ordensoberen brachte er im Oktober weitere 28 Ordensmänner nach Turin. Ein geplanter dritter illegaler Grenzübertritt mit 22 Personen im April 1951 scheiterte. 16 Salesianer, unter ihnen P. Zeman, wurden gefangen genommen, die anderen konnten entkommen.

P. Zeman kam in Untersuchungshaft, wo er brutal gequält und gefoltert wurde. Im Februar 1952 wurde er zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 13 Jahren wurde P. Zeman, gesundheitlich schwer angeschlagen, aus der Haft entlassen. Als sich die politische Lage entspannte, durfte der Ordensmann ab 1967 wieder Messen feiern, im „Prager Frühling“ 1968 erhielt er die Erlaubnis, voll in der Seelsorge tätig zu sein.

Wenige Monate später jedoch musste P. Zeman aufgrund der erneuten Änderung der politischen Situation fürchten, wieder verhaftet zu werden. Im September erlitt er während einer Messe einen Herzinfarkt. Er starb am 8. Jänner 1969 an den Folgen eines zweiten Herzinfarkts.

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