Der Papst trifft in Chile auch Salesianer

"Wir haben lange auf Sie gewartet", begrüßte Salesianerkardinal Ezzati Papst Franziskus.
Papst Franziskus und die Bischöfe Chiles, rechts neben ihm Salesianerkardinal Ezzati.

Sie jubeln, aber der Frieden trügt. Es sind die Freunde des Papstes, die sich im O'Higgins-Park in Santiago versammelt haben, an einem heiteren, fast wolkenlosen Morgen im chilenischen Spätsommer. Die erste Messe von Franziskus während seines knapp viertägigen Chile-Besuchs - sie ist ein Ereignis, das nach Angaben der Organisatoren am Dienstag fast eine halbe Million Menschen zu einer harmonischen Feier mit beschwingten Liedern zusammenbringt.

In Santiago wollten lokalen Medien zufolge Dutzende bei einem "Marsch der Armen" gegen die Kosten des Papstbesuchs protestieren. Angeblich stellte sich die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengasgranaten dem Zug entgegen.

Tränengas - das Wort benutzte Santiagos Kardinal Ricardo Ezzati auch beim Gottesdienst im O'Higgins-Park. Er erinnerte an den ersten Papstbesuch 1987 durch Johannes Paul II. Damals gingen Sicherheitskräfte von General Augusto Pinochet gegen Katholiken vor, und der Papst beschwor die Gläubigen: "Die Liebe ist stärker!" Heute zieht sich die Konfliktlinie mitten durch die Gesellschaft, mitten durch die Kirche. Auch Ezzati weiß um die "Kluft, die uns trennt".

Da ist vor allem das ungeheure Armutsgefälle in Chile. Viele Chilenen halten sich mit Jobs im informellen Sektor am Leben, dem stolzen Durchschnitts-Pro-Kopf-Einkommen zum Trotz. Santiagos Kardinal benennt das Problem, wenn er davon spricht, dass "Armut und Ausgrenzung weiterhin Mauern aufbauen".

Dabei hat Ezzati selbst keinen leichten Stand. Als 17-Jähriger kam er aus Italien nach Chile, und Priester seines eigenen Klerus geben zu verstehen, dass ihm, Oberhirt hin oder her, irgendwie der richtige Stallgeruch fehlt. Lichtgestalt der lokalen Kirche bleibt der von 1961 bis 1983 amtierende Erzbischof und Kardinal Raul Silva Henriquez, Verteidiger der Menschenrechte während der Diktatur, Gründer einer Sozialbank für Kleinunternehmer. Franziskus zitiert den 1999 verstorbenen Salesianerkardinal Silva in seinen Reden. Er, nicht Ezzati, ist der geistliche Vater für viele Santiaguinos.

Und geistliche Führung haben sie nötig. Chiles Kirche ist von einem Missbrauchsskandal erschüttert, wobei der Grad der Empörung auch die wachsende Entfremdung der Bevölkerung vom Glauben generell und die noch offenen Wunden durch autoritäre Systeme anzeigt.

Der Papst ging das Thema Missbrauch offensiv an; gleich in seiner ersten Rede im Präsidentenpalast bekannte er "Schmerz und Scham". Seine Ansprache wurde auch in den Park zu den Massen übertragen, die auf den Gottesdienst warteten. Als das Schuldbekenntnis fiel, brach Beifall aus, und ein zweites Mal, als Franziskus sich für die Rechte und die Identität der Indigenen stark machte.

(Kathpress-Korrespondent Burkhard Jürgens/ANS/red)

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