Bischöfe, hört uns zu!

Beim Vortreffen der Jugend zur Bischofssynode im Herbst ging es um ihre Lebenswelt und ihr Verhältnis zu Kirche und Glaube.
300 Jugendliche, neben Katholiken auch Atheisten und Muslime, kamen nach Rom. Foto (Wolfgang Zarl)

Bei der Vorsynode zum Thema Jugend vom 19. bis 23. März 2018 in Rom haben rund 300 junge Delegierte ein Abschlussdokument erstellt. Darin fassen sie Erfahrungen ihrer jeweiligen Lebenswelten sowie Fragen und Forderungen zu Glaube und Kirche zusammen.

Bei der Eröffnung hatte Papst Franziskus beklagt, junge Menschen würden zu oft von gesellschaftlicher Beteiligung ausgeschlossen und alleingelassen. Die Kirche wolle alle Jugendlichen hören, niemanden ausgeschlossen.

Thema der Synode und des Vortreffens war die Lebenswelt junger Menschen, ihr Verhältnis zu Kirche und Glaube sowie ihre Lebensentscheidungen. Bevor im Herbst Bischöfe über die Jugend beraten, wollte der Papst wissen, was junge Menschen denken und erleben. 300 von ihnen, neben Katholiken auch Atheisten und Muslime, lud er nun nach Rom ein.

Unter ihnen war von der Salesianischen Jugendbewegung Marketa Imlaufová aus Tschechien: DON BOSCOS DELEGIERTE

Offene junge Katholiken
"Dass der Papst junge Menschen aufruft, etwas zu riskieren, weil sie sonst schnell altern, hat mich beeindruckt", sagt Sandro Bucher. Dabei könnte dem 25-Jährigen aus Winterthur (Schweiz) das, was ein Papst sagt, ziemlich egal sein. Bucher ist Atheist, Mitglied diverser Freidenker- und Humanistenverbände. Nun hat er sich für eine Woche nach Rom begeben - in ein Tagungszentrum der Legionäre Christi mitten unter rund 300 meist sehr engagierte Katholiken. Als "Alibi-Atheist" fühlte er sich nicht: "Die jungen Katholiken hier sind sehr offen gegenüber andersdenkenden Menschen", sagt Bucher. Im Grunde lande man oft bei denselben philosophischen und existenziellen Fragen. Besonders prägend sei das Gespräch mit jungen Menschen aus armen Ländern gewesen, von denen etliche auch von Verfolgungen berichtet hätten.

"Wie gut es mir geht"
Aus Österreich nahm die Theologiestudentin Eva Wimmer teil. Die Perspektive nicht katholischer Teilnehmer auf die Kirche und der Austausch mit ihnen sei "besonders wertvoll". Wimmer: "Als ein Schweizer fragte, welches Problem wir damit hätten, dass er nicht an Gott glaubt und trotzdem wie wir die Welt verbessern will, war es ganz still in unserer Gruppe." Als besonders bewegend erlebte die Grazerin auch die Berichte von Jugendlichen aus Ländern, in denen Christen verfolgt werden. "Das berührt mich sehr und zeigt mir, wie gut es mir geht", so die 20-Jährige. Auch sie war angetan von der Art, wie Papst Franziskus die Teilnehmer der Vorsynode am Montag aufforderte, sich zu äußern: freimütig und offen.

Und so sprachen, stritten und verständigten sich während der Jugend-Vorsynode in Rom rund 300 junge Menschen in vier Sprachen und 20 Arbeitsgruppen über ihre Lebenswelten, ihr Verhältnis zu Glaube und Kirche und die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen.

Die Themenbereiche Jugend, Glaube und Lebensentscheidungen mit jeweils fünf Leitfragen wurden von den Organisatoren des Vortreffens und der für Oktober geplanten Bischofssynode vorgegeben. Nahezu einstimmig bestätigten die Delegierten das Abschlussdokument. In das Abschlussdokument flossen neben den Beratungen der Teilnehmer in Rom auch Beiträge ein, die rund 15.000 registrierte Nutzer weltweit über spezielle Facebook-Seiten äußerten.

Das Papier soll auch Gegenstand der Beratungen der Bischöfe im Oktober sein. Demnach wünschen sich junge Menschen eine Kirche, die sie ernst nimmt, die zu Fehlern steht, den Glauben authentisch lebt, weniger abgehoben spricht und echte Orientierungshilfe bietet. Allzu oft erscheine die Kirche "zu streng" und werde mit "überzogenem Moralismus" verbunden, heißt es in dem Dokument.

Zudem sei es für junge Menschen schwer, die Logik des "Das-war-schon-immer-so" zu überwinden. "Wir brauchen eine Kirche, die willkommen heißt und barmherzig ist, die ihre Wurzeln und ihr Erbe würdigt und jeden liebt, auch jene, die nicht den allgemeinen Standards folgen", heißt es. Dann werde die Kirche für viele wieder überzeugender.

Das Dokument gliedert sich in drei Teile. Im ersten werden Herausforderungen und Chancen für junge Menschen zusammengetragen. Im zweiten geht es um Glaube und Lebensentscheidungen sowie den Wunsch nach ernstgemeinter Begleitung. Viele Jugendliche befassten sich zwar mit wichtigen Lebensentscheidungen, brächten das aber nicht mit dem Glauben und Gott in Verbindung. Das sei auch schwierig, wenn junge Menschen und besonders Frauen "Schwierigkeiten haben, sich in der Kirche aktiv zu beteiligen und sogar zu führen". Ein langer Absatz befasst sich zudem mit sozialen Medien, die im Leben junger Menschen eine große, aber auch zwiespältige Rolle spielten.

Organisiert wurde die Vorsynode vom Päpstlichen Rat für Laien, Familie und Leben unter Kardinal Brian Farrell, unterstützt durch das Synodensekretariat unter Kardinal Lorenzo Baldisseri. Zu der eigentlichen Synode, die unter dem Leitwort "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung" steht, werden ausgewählte Jugendliche als Hörer eingeladen, haben aber kein Stimmrecht. Kardinal Lorenzo Baldisseri, dessen Sekretariat die Bischofssynode organisiert, versprach den jungen Teilnehmern, "sein Bestes zu tun", damit die Kirche transparent, einladend und authentisch sei.

(Roland Juchem/KAP/red)

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