Auszeichnung für Salesianerkardinal

Kardinal Zen kritisiert bei Deutschlandbesuch Pekings neues Religionsgesetz.
"Schockiert" zeigte sich Kardinal Zen über die Nachricht eines Verkaufsverbotes für Bibeln.

Der chinesische Salesianerkardinal Joseph Zen hat deutliche Kritik am kommunistischen Regime in Peking geübt.

Mit dem neuen Religionsgesetz seit 1. Februar werde der Staat den Zugriff auf die Kirchen und Religionsgemeinschaften verstärken, sagte der frühere Bischof von Hongkong im Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA in Bonn. Sogar in den Kirchen würden Überwachungskameras angebracht. "Nennen Sie das Religionsfreiheit?", fragte Zen.

"Schockiert" zeigte sich Zen über die jüngste Nachricht eines Verkaufsverbotes für Bibeln und die offenbar geplante Einführung eigener, regierungsfreundlicher chinesischer Bibelübersetzungen. Das sei "unfassbar", so der Kardinal. Chinesische Online-Buchhändler haben seit Ende März die Bibel nicht mehr in ihren Katalogen gelistet.

Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen
Skeptisch zeigte sich Zen zu einem möglichen Abkommen zwischen dem Vatikan und der Kommunistischen Partei Chinas über die strittige Frage der Bischofsernennungen. Er habe Papst Franziskus seinen Standpunkt sehr deutlich gemacht, sagte der Kardinal. Und anders als einige seiner Berater habe Franziskus seine Einwände auch begriffen. "Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen", so Zen. Wenn der Papst am Ende dennoch eine ungenügende Übereinkunft billigte, würde er, Zen, verstummen, kündigte er an.

Der Kardinal sorgt sich vor allem um die sogenannten Untergrundkatholiken: "Nach all diesen Jahren, in denen sie so viel gelitten haben. Rom hat ihnen immer gesagt: Haltet durch. Und jetzt soll es plötzlich heißen: Ergebt euch. Das ist eine Tragödie."

Ehrung für den Salesianerkardinal
Der 86-Jährige Salesianer, von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong, erhielt am 7. April 2018 in Bonn den Preis der Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen. Zen werde damit für seinen Mut und seine Beharrlichkeit im jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte ausgezeichnet, teilte die Stiftung mit. 

Die Stephanus-Stiftung ist nach dem gleichnamigen Diakon der christlichen Urgemeinde benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Christus gesteinigt wurde. Die Stiftung hilft laut ihren Statuten verfolgten Christen in Not, etwa durch einen Zuschuss zum Lebensunterhalt oder zu Anwaltskosten; zudem deckt sie Verletzungen der Religionsfreiheit und deren Hintergründe auf.

(KAP/red)

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